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17.12.2018
SG Uni Greifswald/Loitz mutiert zum ersten SHV-Stolperstein

Oberliga-Handballer aus Stralsund mühen sich zum 26:26 in Loitz. Das Remis bedeutet den ersten Punktverlust der Saison. Fynn-Martin Tippelt verletzt sich an der Hand.

Loitz59:30 Minuten: SHV-Torhüter Tom Korth pariert einen Loitzer Angriff, Florian Zemlin schnappt sich das Spielgerät und haut es lang auf den startenden Benjamin Hinz. Hinz hebt von Linksaußen ab – und verwirft. Doch Schiedsrichter Sven Aepinus deutet auf den Siebenmeterpunkt.59:34 Minuten: Ein ohrenbetäubendes Pfeifkonzert belegt die Peenetalhalle. Aber Jakub Vanek bleibt cool, täuscht an und versenkt! 26:26.59:38 Minuten: Auszeit SG Uni Greifswald/Loitz. Der SHV stellt sich beim Anstoß hoch auf, will nochmal an den Ball kommen. Lukasz Stefanicki zieht mit dem Ball durch die Mitte, gibt ab zu Hannes Lemcke, der abzieht – Tor! Doch vorher ertönte ein Pfiff. Freiwurf für die Hausherren.59:54 Minuten: Lemcke schnappt sich sofort den Ball – wirft – wieder drin. Wieder zurückgepfiffen. Die Zuschauer und Spieler toben vor Wut. Derweil läuft die Zeit ab, die Schlusssirene ertönt.60:00 Minuten: Beim letzten Freiwurf des Spiels bauen sich alle Stralsunder Feldspieler vor Lemcke auf und blocken den Versuch. Es bleibt beim 26:26.Die Schlusssequenzen der Oberligapartie zwischen der SG Uni Greifswald/Loitz und dem Stralsunder HV hätten dramatischer nicht sein können. In einem nervenaufreibenden Handballkrimi hatten die Hausherren den Spitzenreiter am Sonnabend am Rande einer Niederlage. Am Ende knöpfen sie dem Favoriten den ersten Saisonzähler ab. Die Siegesserie des SHV reißt nach 14 Spielen.„So, wie wir heute gespielt haben, hätten wir einen Sieg nicht verdient gehabt“, bemerkte ein sichtlich angefressener Zemlin: „Es ist ja normal, dass man mal hinten liegt. Aber die Art und Weise ging gar nicht! Ich kann es nicht erklären.“Was der Spielmacher nicht erklären konnte, ist, warum die sonst so souveränen Stralsunder einen defensiv kompromisslosen Gegner nicht knacken konnten und so große Probleme im temporeichen Offensivspiel hatten.

 

Erstmaliger Halbzeitrückstand


Fynn-Martin Tippelt erzielte das erste Stralsunder Tor nach knapp drei Minuten, da lag der SHV aber bereits mit 1:2 zurück. Nur ein paar Minuten später war der Arbeitstag von Tippelt auch schon wieder beendet. Der Rückraumspieler verletzte sich bei einem Angriff an der rechten Hand, musste mit einem blutenden Riss zwischen Ring- und Mittelfinger den Platz verlassen. Zuvor kochte die Stimmung bei den knapp 500 Loitzer Zuschauern in der Peenetalhalle erstmals hoch. Zemlin stoppte Marc-Christoph Hagemeier unsanft im Zentrum. Die Heimfans forderten lautstark Rot für den Stralsunder. Die Unparteiischen beließen es bei Gelb (7.).Fast 14 Minuten hat es gedauert, bis die Fischer-Truppe den ersten Ausgleich herstellen konnte, weil die Hausherren in der Defensive kaum Chancen zum Durchbruch ließen. Zudem nervte Mateusz Gmerek den schnellen Linkaußen Benjamin Hinz, in dem er zu Beginn die schnelle Mitte nach Anstoß SHV konsequent unterband.Nach dem Ausgleich schien der Tabellenführer ins Spiel gefunden zu haben und führte plötzlich mit 9:7. Es sollte die höchste SHV-Führung an diesem Abend bleiben. Interimstrainer Jürgen Radloff unterbrach den Stralsunder Spielfluss, nahm die Auszeit. Dann rutschte Hinz bei einem Konter am Neunmeterkreis weg – symptomatisch für das Spiel, in dem vieles nicht rund lief für Stralsund. Statt des 11:9 konterte die SG und glich zum 10:10 aus (22.). Ein Abspielfehler von Kay Landwehrs ebnete den Weg zur überraschenden aber verdienten 15:13-Halbzeitführung für den Tabellenzehnten. Es war der erste Pausenrückstand für den SHV in der laufenden Saison. „Die Halbzeitansprache war relativ simpel, weil wir in keinem Bereich das abgeliefert haben, was wir können. Wir mussten uns überall steigern“, verriet Fischer, der eine deutlich stärkere zweite Hälfte seines Teams sah.Nach dem Seitenwechsel ersetzte Tom Korth Tobias Malitz im SHV-Kasten und vereitelte die ersten beiden SG-Angriffe. Die beiden Teams schenkten sich nichts. Immer wieder glichen die Oberligisten die knappen Führungen des Gegenüber aus (15:15/32., 15:17/36., 19:19/41., 22:21/49.). Mitte der zweiten Halbzeit offenbarten Greifswald/Loitz und Stralsund große Schwächen im Abspiel. „Wir haben einfach mal komplett ohne Bedrängnis den Ball weggeworfen“, gab Zemlin kopfschüttelnd zu. Knapp fünf Minuten vor dem Ende waren die Hausherren auf drei Punkte enteilt (25:22). Die Spannung auf der Tribüne nahm spürbar zu, kaum einer saß noch. Die Überraschung war greifbar. Der Schlussakt brachte eine Mischung aus Enttäuschung und Stolz bei den Loitzer, den der Sieg noch aus den Händen rann, dem großen Favoriten aber immerhin den ersten Punkt abgerungen haben. Gejubelt wurde bei den Hausherren nach Abpfiff trotzdem. Bei den Stralsundern mischte sich der Frust über die eigene Leistung mit Erleichterung, doch noch mit einem blauen Auge davongekommen zu sein.„Wirklich: Glückwunsch an Loitz, die eine gute kämpferische Leistung geboten haben“, gratulierte Fischer. Zemlin stimmte ein: „Die haben eine starke Truppe. Ich verstehe nicht, warum die so weit unten in der Tabelle stecken.“ Beide Akteure waren erleichtert, die SG Uni Greifswald/Loitz für diese Saison abgehakt zu haben. „Das ist eine recht unangenehme Atmosphäre hier“, meinte Zemlin. „Ich bin froh, dass wir nicht nochmal gegen sie spielen müssen“, atmete Fischer auf.Mit dem Remis tropft zum Jahresabschluss ein kleiner Fleck auf die ansonsten makellose Weste des SHV in dieser Saison. Weiter geht’s im neuen Jahr. Am 13. Januar ist Blau-Weiß Berlin zu Gast am Sund.

Quelle: Horst Schreiber

Ostsee-Zeitung