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19.11.2018
Jon Ehlers führt den SHV auf die Siegerstraße

Nein! Nein! Nein!“, hörte man Johannes Trupp Mitte der zweiten Halbzeit durch die Vogelsanghalle rufen. Das Schiedsrichtergespann hatte einen Einwurf auf Höhe der Auswechselbank für die Gäste aus Werder gewertet. Trupp wollte das nicht wahrhaben, dabei führte er mit dem Stralsunder HV im Topspiel gegen Grün Weiß Werder schon mit zehn Toren Vorsprung. Und so musste auch SHV-Trainer Steffen Fischer auf der Bank über die Situation schmunzeln: „Ist doch schön zu sehen, wenn die Spieler bei dem Spielstand noch nicht locker lassen.“Locker gelassen haben die Stralsunder Handballer beim 34:21-Sieg in der Oberliga Ostsee-Spree gegen den Tabellendritten HV Grün Weiß Werder zu keinem Zeitpunkt. Das war besonders zu Spielbeginn auch notwendig, denn das körperlich starke Gästeteam stemmte sich gegen die Abwehrreihe der Hausherren. Hier fehlten mit Jakub Vanek und Martin Hoffmann erneut zwei wichtige Säulen im Mittelblock. „Vanek hat sich im Training eine Platzwunde am Auge zugezogen und Hoffmann hatte nach fünf Minuten Spielzeit ein Problem mit einem Finger. Bei beiden wollten wir kein Risiko eingehen“, erklärte Fischer nach dem Spiel. Als Ersatz musste Ole Prüter am Kreis die Last alleine tragen und Kay Landwehrs übernahm erneut die Rolle im rechten Rückraum – beide machten ein starkes Spiel.Die Anfangsphase war von einem hohen Tempo und vielen Fehlwürfen geprägt. Nach dem 2:2 durch Prüter in der dritten Minute vergab Kapitän Martin Brandt gleich mehrfach die Chance, sein Team in Führung zu bringen. Stattdessen erspielte sich Werder einen zwei Tore Vorsprung. Vom ungewohnten Rückstand ließ sich die Fischer-Sieben aber nicht aus der Ruhe bringen. Jon Ehlers kam für Brandt auf das Parkett und traf mit seiner ersten Aktion zum 4:5. „Es freut mich für ihn, dass er reinkommt und gleich trifft. Ich hatte schon vor dem Spiel das Gefühl, dass die Abwehr ihm liegt“, begründete Trainer Fischer den frühen Wechsel.Danach ging es Tor um Tor weiter, wobei Tobias Malitz im Kasten der Stralsunder dafür sorgte, dass die Ballverluste in der Offensive nicht bestraft wurden. Ein Tempogegenstoß, abgeschlossen von Benjamin Hinz, sorgte für die zweite Führung des SHV, die bis zum Ende halten sollte.Bei Grün Weiß machte sich das intensive Spiel der ersten 20 Minuten bemerkbar. Es fehlte die Kraft, um die schnelle Mitte des Tabellenführers weiter zu unterbinden, da half auch die Auszeit von Gästetrainer Steffen Schieke nicht. Die Stralsunder kamen ins Rollen und zogen bis zur Halbzeit auf 20:12. Die Einstellung des Gegners lobte Fischer nach dem Spiel: „Es war das erste Team, das immerhin versucht hat unsere schnelle Mitte zu unterbinden. Da hat man gemerkt, dass es eine Topmannschaft in der Liga ist.“ Geklappt hat der Plan aber nur 20 Minuten, dann verließen die Rand-Potsdamer, bei denen Torjäger Dominik Nehls immer wieder verletzt pausieren musste, die Kräfte.Nach dem Seitenwechsel kamen die Gäste mit neuem Elan aus der Kabine und konnten in der Abwehr immer wieder Bälle gewinnen. Näher heran kamen sie aber trotzdem nicht, denn jetzt stand Stralsunds zweiter Torhüter Tom Korth im Kasten und hielt diesen sauber. „Freut mich, dass ich heute mal mehr als zehn Minuten spielen durfte“, gab Korth zu Protokoll. In seiner Rolle hinter Tobias Malitz hat sich der älteste Spieler im Team gut zurechtgefunden: „Es ist natürlich entspannter für mich, wenn ich reinkomme und wir führen schon mit zehn Toren. Wir beide verstehen und blendend und sind ein echtes Duo. Es gibt da keinen Neid wer spielt. Er macht das einfach super.“Mit den Paraden von Korth und dem schnellen Weg nach vorn setzte sich der SHV auf 24:13 ab. Danach probierte Fischer mit seiner Mannschaft ein paar taktische Kniffe aus und Werder verkürzte auf 17:25. Die Gefahr, das Spiel könnte kippen, kam dabei aber nie auf. Stattdessen entwickelte sich ein Duell zwischen Benjamin Hinz und Gästetorhüter Tom Lessig. Nachdem Lessig den Siebenmeter von Hinz entschärfen konnte, kassierte er nur eine Minute später einen lässigen Heber vom SHV-Außen. Kurze Zeit später ging Lessig wieder als Sieger aus dem Siebenmeterduell, aber Hinz revanchierte sich mit dem nächsten Heber. Beim Rettungsversuch setzte sich Lessig unelegant auf den Hosenboden und gab damit das Duell verloren. Den Schlusspunkt behielt sich aber SHV-Spielertrainer Steffen Fischer vor, der Kreisläufer Ole Prüter zum Schluss verschnaufen ließ. Nach langem Pass von Korth sorgte Fischer mit einem Dreher um die Füße des Torhüters für den 34:21-Endstand.Mit dem elften Sieg im elften Spiel wahren die Stralsunder ihre weiße Weste in der Oberliga Ostsee-Spree. Sollte gegen den Tabellenletzten aus Neubrandenburg am kommenden Wochenende kein Wunder passieren, stehen die Sundstädter auch am Ende der Hinrunde auf dem ersten Platz und hätten damit ein wichtiges Etappenziel auf dem Weg zum Aufstieg erreicht.

Niklas Kunkel

Ostsee-Zeitung

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