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12.11.2018
Furioser Start reicht Stralsunder HV zum Sieg
Handballer mit ungewohnt hoher Fehlerquote in zweiter Halbzeit bei 29:19-Erfolg gegen SG OSF Berlin

Stralsund. Fünfeinhalb exzellente Minuten reichten den Handballern des Stralsunder HV am Sonnabend, um den Grundstein für den zehnten Sieg im zehnten Spiel zu legen. Gegen die SG OSF Berlin legte der Tabellenführer der Oberliga Ostsee-Spree mit Vollgas-Handball los, führte in der sechsten Minute bereits mit 6:1 und schickte den nächsten Ligakonkurrenten am Ende mit einem zweistelligen Vorsprung nach Hause – 29:19 (16:9). Allerdings verlief die zweite Hälfte nicht nach dem Geschmack von Trainer Steffen Fischer. Seine Sieben leistete sich ungewohnt viele Fehler. „Das Gute ist, dass wir wieder zwei Punkte geholt und unsere Serie ausgebaut haben. Das ,Wie’ sehe ich kritischer“, äußerste sich Fischer.

Kapitän Martin Brandt, der gestern seinen 29. Geburtstag feierte, eröffnete die Torejagd nach 27 Sekunden. Da der wieder einmal starke Rückhalt Tobias Malitz die ersten drei Würfe der Berliner entschärfte, zog der SHV mit 3:0 davon. Hannes Werner, der in der SHV-Jugend ausgebildet wurde und somit in seine Geburtsstadt zurückkehrt, markierte das erste OSF-Tor.

Nach dem Werner-Treffer demonstrierten die Sundstädter ihre Überlegenheit eindrucksvoll: Ole Prüter übergab beim Anwurf an Benjamin Hinz, der zu Johannes Trupp abspielte. Trupp zurück auf Prüter am Kreis – Tor. Der Angriff dauerte vier Sekunden. Berlin wurde überrannt. Wenig später ging es noch schneller: Florian Zemlin rutschte auf dem Boden zum Ball, nachdem ihn ein Gästeakteur wegen Fußberührung abgelegt hatte, und schleuderte das Spielgerät im Liegen auf den blitzschnell gestarteten Hinz. Doppelpass mit Martin Hoffmann, Tor – in drei Sekunden zum 6:1 (6.)!

In der Folge fand die SG besser ins Spiel, doch weil Stralsund (noch) nicht nachließ, wuchs der Vorsprung kontinuierlich (8:3/9., 11:5/17., 14:5/23.). Mittlerweile waren Kay Landwehrs für Prüter und Fynn Tippelt für Brandt im Spiel. Als Steffen Fischer während einer Zeitstrafe für Hinz Jon Ehlers für Torhüter Tobias Malitz brachte, hatte der Coach bereits nach 24 Minuten – bis auf Ersatzkeeper Tom Korth – alle Wechseloptionen gezogen. Die SHV-Bank präsentierte sich ausgedünnt, da sich Jakub Vanek am Donnerstag krank meldete und die Verletzung von Corvin Obst noch immer Rätsel aufgibt.

 

Ungewohnt hohe Fehlerquote

 

Mit dem Halbzeitpfiff hielt Malitz einen Siebenmeter, sodass beim Stand von 16:9 die Seiten gewechselt wurden. Auch im zweiten Durchgang traf zunächst Martin Brandt (17:10/31.). Sein Angriff aus sechs Meter hatte so viel Wucht, dass er sich bei der Landung in der Begrenzungsbande wiederfand. Beim folgenden Konter über vier Stationen von Torhüter Malitz bis Torschütze Hinz spendete Trainer Fischer noch Szenenapplaus. Was danach passierte, dürfte dem akribischen Übungsleiter nicht mehr gefallen haben. Denn die SHV-Spielweise wurde nun zunehmend zerfahren. Nach der erstmaligen Zehn-Tore-Führung (22:12/38.) schlichen sich immer mehr Fehlerchen in die Stralsunder Offensivbemühungen: Landwehrs spielt einen Ball ohne Bedrängnis ins Seitenaus, Ehlers leistete sich einen Schrittfehler, Trupp bekommt eine Zeitstrafe aufgebrummt, weil er den Ball nach dem Schiedsrichterpfiff noch ins Tor warf und die Fehlwurfquote stieg – ungewöhnlich für die ansonsten stets souverän auftretenden Hausherren. Zwischen Minute 43 und 54 gelang den Gastgebern nur zwei Tore.

Zum Glück konnte sich der SHV auf seine stabile Abwehr verlassen. Bei fast jeden Angriff der Berliner zeigte das Schiedsrichtergespann Zeitspiel an, weil die Gäste kaum Lücken in der Stralsunder Defensive fanden. Kapitän Brandt setzte den Schlusspunkt zum 29:19-Erfolg.

„Ich weiß auch nicht so genau, was in der zweiten Halbzeit passiert ist“, rang Brandt nach einer Erklärung. Sowohl der Mannschaftsführer als auch sein Trainer warnen aber vor der gestiegenen Erwartungshaltung. „Der Druck steigt jetzt, dass man jede Mannschaft mit zehn oder mehr Dinger nach Hause schickt“, grübelt Brandt. „Aber wir können nicht jedes Spiel so hoch gewinnen“, ergänzt Fischer, der mit seinem Team den höchsten Sieg seit dem Abstieg aus der 3. Liga gegen OSF Berlin feierte.

 

Schreiber Horst

Ostsee-Zeitung

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