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01.10.2018
SHV-Sieben demütigt den Doberaner SV mit Kantersieg

Sie feierten mit knapp 50 mitgereisten Fans, als hätten sie gerade den Aufstieg perfekt gemacht. Die Oberliga-Handballer des Stralsunder HV haben ihre Tabellenführung mit einer bärenstarken Vorstellung beim Bad Doberaner SV verteidigt. Vor insgesamt rund 400 Zuschauern demütigten sie am Sonnabend die erschreckend schwachen Gastgeber mit 35:20 (20:12) und untermauerten ihre Titelambitionen.
Spielertrainer Steffen Fischer war denn nach dem Abpfiff auch „insgesamt sehr zufrieden“. Der SHV-Coach freute sich vor allem darüber, dass in der zweiten Hälfte kaum ein Leistungsabfall zu erkennen gewesen sei, obwohl er Akteuren aus der zweiten Reihe eine Chance gab. Namentlich hob Fischer den jungen Corvin Obst, den 13-fachen Torschützen „Benni“ Hinz und Kreisläufer Ole Prüter, der oft nur auf Kosten eines Siebenmeters zu bremsen war, hervor.
Zwar lagen die Hausherren zu Beginn der Partie zweimal vorn (1:0 und 2:1), doch dann kam es für sie dicke. Eigentlich hätten die Unparteiischen das ungleiche Duell nach einer Viertelstunde beim Stand von 4:11 beenden können, doch es sollte noch schlimmer werden für die Doberaner. Die fanden kaum ein Mittel gegen die starke SHV-Abwehr, hinter der die Torhüter Tobias Malitz und Tom Korth diesmal einen ruhigen Abend verlebten. Hinten agierten die Hausherren „wie ein A-Jugendteam“, so Kreisläufer Matthias Jahn. „Es war ein langweiliges, weil einseitiges Spiel“, befand DSV-Coach Lars Rabenhorst.
Darüber staunte auch SHV- Spielmacher Martin Brandt. „In einem Derby hätten wir eigentlich mehr Gegenwehr erwartet“, wunderte sich der 29-Jährige über das desolate Auftreten des Kontrahenten. Matthias Jahn wusste, warum das so war: „Keiner hat den Kampf angenommen.“ So nahm das Unheil für die Münsterstädter folgerichtig seinen Lauf – über die Stationen 22:12 (33.) und 30:18 (51.) feierten die Gäste am Ende einen weiteren Kantersieg.
Für einen letztlich gedemütigten Gegner, der zu allem Überfluss auch noch frühzeitig auf Routinier Yan Vizhbovskyy (Wadenverletzung) verzichten musste, blieb nur das Wundenlecken. Sebastian Voigt meinte, dass der Stralsunder HV „eigentlich eine Liga höher“ spielen müsste. Gleichzeitig wusste der DSV-Regisseur aber, dass man es dem Favoriten viel zu leichtgemacht hatte. „Die haben die Hälfte ihrer Tore über die schnelle Mitte erzielt, das geht gar nicht“, legte der 27-Jährige den Finger in die Wunde. Sein Bruder Florian, der im DSV-Tor meist auf verlorenem Posten stand, drückte es drastisch aus: „Unsere Abwehr war Scheiße.“
So blieben nach einem einseitigen Duell vor Selbstbewusstsein strotzende Stralsunder und deprimierte Doberaner zurück. Letztere müssen ganz schnell wieder als Team zusammenfinden, sonst könnte es ein böses Erwachen geben. Die SHV-Sieben aber kann mit breiter Brust die nächste Aufgabe in Angriff nehmen. Am kommenden Sonnabend empfängt das Team vom Strelasund Aufsteiger BFC Preußen (5:5 Punkte/Platz 9). Auch dann gilt, was der Ex-Doberaner Kay Landwehrs am Sonnabend so formulierte: „Wir haben ein riesiges Potenzial, können uns eigentlich nur selbst schlagen.“

Ostsee-Zeitung

Burkhard Ehlers