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22.12.2017
Autsch! SHV verliert Spitzenspiel

Stralsunder Handballer unterliegen den Füchsen Berlin II mit 25:26 / Hoffmann und Vanek verletzt

Von Stefan Ehlers

Stralsund. Als die Handballer des Stralsunder HV eine gute halbe Stunde nach Spielschluss den VIP-Raum betraten, wurden sie mit Applaus begrüßt. Trainer Markus Dau griff zum Mikro und sprach seiner Mannschaft ein Riesenkompliment aus: „Hut ab, auch wenn’s am Ende nicht ganz gereicht hat.“

Der SHV hat das Topspiel der Oberliga Ostsee-Spree verloren. Die Sundstädter zogen am Sonnabend gegen die Bundesliga-Reserve der Füchse Berlin mit 25:26 (12:15) den Kürzeren und haben damit bereits fünf Punkte Rückstand auf den Spitzenreiter. Der Aufstieg ist in weite Ferne gerückt. Dementsprechend enttäuscht war der SHV-Coach. „Die Niederlage ist unglaublich schmerzhaft“, meinte Dau. „Alle wussten ja, worum es geht.“

Ausgerechnet im wichtigsten Spiel des Jahres musste Martin Hoffmann (33) bereits in der Anfangsphase mit einer Augenverletzung vom Feld. Der Rechtsaußen erlitt ein Veilchen unterhalb des rechtes Auges. „Er konnte nicht richtig sehen. Da wollten wir kein Risiko eingehen“, erklärte Dau.

Kurze Zeit später erwischte es Jakub Vanek. Der 26 Jahre alte Tscheche zog sich bei einer Abwehraktion einen Cut an der rechten Augenbraue zu. „Mann ey!“, schrie Vanek frustriert. Der ohnehin verletzte Kai Baresel (Muskelfaserriss im Oberschenkel) eilte von der Tribüne in die Kabine und fuhr den Pechvogel in die Klinik, wo die Wunde mit mehreren Stichen genäht wurde. Zwei Stunden später konnte Dau Entwarnung geben: „Sein Schädel brummt noch, aber ihm geht es soweit gut. Er ist wieder zu Hause.“

Der SHV steckte die beiden Ausfälle und den frühen 1:5-Rückstand gut weg. Die Truppe bewies vor knapp 1000 Zuschauern in der Vogelsanghalle eine Wahnsinnsmoral.

Johannes Trupp stellte mit einem Doppelschlag den 8:9-Anschluss (13.) her. Danach schnellte die Fehlerquote wieder in die Höhe. Die Sundstädter liefen der Musik weiter hinterher – 8:12 (24.), ehe Benjamin Hinz die zehnminütige Durststrecke beendete.

Nach der Pause starteten die Gastgeber eine erneute Aufholjagd. Sie packten in der Abwehr noch eine Schippe drauf, agierten beweglich und aggressiv. Dahinter lief Szymon Ligarzewski zu großer Form auf. Beim Stand von 16:17 (35.) parierte der 43 Jahre alte Pole einen Siebenmeter. Im Gegenzug erzielte Hinz den Ausgleich. Die Halle tobte. Und es wurde noch besser. Florian Zemlin traf trotz dauerhafter Sonderbewachung mit einem trockenen Wurf zum 20:19 (42.) – die erste Führung.

Bis fünf Minuten vor dem Abpfiff (23:23) stand das hart umkämpfte Topspiel auf des Messers Schneide, doch in der Schlussphase fehlten dem SHV die personellen Alternativen und das Glück des Tüchtigen.

So fiel der Ball nach einer Ligarzewski-Parade Füchse-Spieler Cyrill Akakpo direkt in die Hände, der prompt das 23:25 (56.) erzielte. Auf der Gegenseite sprangen zwei Pfostenwürfe von Trupp zurück ins Feld. Die Kräfte der leidenschaftlich kämpfenden Stralsunder schwanden. Kay Landwehrs humpelte mit Wadenkrämpfen vom Feld. Auch der „Rest“ ging an die Schmerzgrenze, doch es reichte nicht.

SHV-Präsident Frank Wahl bescheinigte der Mannschaft dennoch „eine fantastische Leistung“. Markus Dau sprach von einer „Super-Nummer mit einem schlechten Ergebnis für uns“ und auch Szymon Ligarzewski lag mit seinem Fazit goldrichtig: „Wir haben gekämpft, aber beim Handball brauchst du auch ein wenig Glück.“

„Das war Werbung für die Oberliga Ostsee-Spree“, meinte Gäste-Trainer Christian Caillat, der vor 17 Jahren für den SHV spielte. „Stralsund war meine erste deutsche Station“, sagte der Franzose. Von einer Vorentscheidung im Aufstiegsrennen wollte Caillat nicht sprechen: „Der Aufstieg ist kein Sprint, das ist ein Marathon. Es bleiben noch 14 Spiele, da kann noch viel passieren.“

Der SHV startet am 13. Januar mit einem Auswärtsspiel gegen die SG OSF Berlin in das Restprogramm – vielleicht sogar mit voller Kapelle. Szymon Ligarzewski: „Die Saison ist noch lang – und wir müssen alle Spiele gewinnen.“

STATISTIK
SHV: Ligarzewski, Korth – Langschwager 1, Tippelt 2, Landwehrs 3, Hoffmann, Vanek 1, Hinz 8/4, Schwerin, Zemlin 4, Trupp 4, Ehlers 2.

Füchse II: Deisting, Genz – Struck 1, Luberecki, Krai, Mißling, Schröder 2, Bielzer 4, Schauer 3, Düren, Gliese 3, Skroblien 2, Akakpo 8, Fritz 3.

Siebenmeter: SHV 4/4, Füchse II 2/0.

Strafminuten: SHV 8, Füchse II 4.