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28.12.2015
Müde Stralsunder verspielen die Führung

Müde Stralsunder verspielen Führung

Drittliga-Handballer verlieren MV-Derby in Schwerin 19:22 / SHV-Trainer Anclais bemängelt fehlende Alternativen und wünscht sich Verstärkung / 3387 Fans sorgen für tolle Atmosphäre.

Schwerin. Müde und enttäuscht schlichen sie vom Spielfeld. Die Drittliga-Handballer des Stralsunder HV hatten gekämpft, gekratzt, gebissen, alles gegeben. Doch es hatte nicht gereicht — wieder nicht. Sie verloren gestern das Mecklenburg-Vorpommern-Derby der Ex- Bundesligisten beim SV Mecklenburg Schwerin 19:22 (12:9). Es war die sechste Niederlage hintereinander für die vom Abstieg bedrohten Ostseestädter.

„Der Verlauf ähnelte den vergangenen Spielen. Wir halten gut mit, führen zwischenzeitlich, aber irgendwann geht uns die Kraft aus“, haderte SHV-Trainer Danny Anclais, der sich dringend Verstärkung wünscht. „Uns haben Wechselmöglichkeiten gefehlt. Die Mannschaft ist müde. Einige Jungs spielen quasi jedes Mal 60 Minuten durch. Das kostet sehr viel Kraft“, betonte der 35-Jährige.

„Diese Niederlage tut weh, weil es ein Derby war, aber vor allem wegen unserer prekären Tabellensituation“, ärgerte sich Kreisläufer Markus Dau. Der 33-Jährige analysierte: „In den entscheidenden Phasen haben wir unsere Angriffe nicht gut ausgespielt und zwei, drei Fehler zu viel gemacht.“ Die Stralsunder (jetzt 9:25 Punkte) gehen als Vorletzter in das neue Jahr. Der Rückstand auf Schwerin (13., 14:20) beträgt fünf Zähler.

Bei der Rückkehr von SHV- Coach Anclais an seine alte Wirkungsstätte erinnerte vieles an frühere (bessere) Zeiten. 3387 Zuschauer in der Sport- und Kongreßhalle Schwerin sorgten für tolle Stimmung und mindestens Zweitliga-Atmosphäre. Die Stralsunder ließen sich davon nicht beeindrucken. Nach ausgeglichener Anfangsphase übernahmen sie das Zepter, zogen vom 4:4 (13.) auf 7:4 (18.) weg und behaupteten bis zur Pause (12:9) ihr Drei-Tore-Polster.

„Wir haben eine gute erste Hälfte gespielt, hätten allerdings höher führen müssen. Es fehlten ein, zwei Tore über die erste Welle (Konter nach Ballgewinnen/d. Red.)“, analysierte Anclais.

Besonders Charalampos Mallios war vor der Pause kaum zu halten. Der dynamische Stralsunder Rückraumspieler erzielte sechs seiner sieben Treffer im ersten Durchgang. Hinten waren die Gäste sehr beweglich, traten beherzt vor, um Schwerins Fernwurfschützen festzumachen. Mit Erfolg. Aus dem Rückraum blieben die Hausherren lange Zeit schwach. Probleme hatten die Stralsunder mit den Schweriner Kreisanspielen.

Nach dem Seitenwechsel verlor die SHV-Sieben ihre Präzision im Angriff. Der eingewechselte Schweriner Torwart Moritz Stemmler steigerte sich und brachte die Stralsunder mit seinen Paraden zur Verzweiflung — allen voran Mallios und Aleksander Kokoszka. „Stemmler hat gut gehalten. Mit zwei abgewehrten Siebenmetern war er der entscheidende Faktor“, meinte Anclais.

Als Neuzugang Mateusz Przybylski (38.) zum 14:13 traf, übernahm Schwerin die Führung und legte fortan vor. Die Stralsunder wehrten sich gegen die drohende Niederlage und schafften bis zum 17:17 durch einen verwandelten Siebenmeter von Kokoszka (49.) jeweils den Ausgleich. Doch dann leistete sich der SHV zu viele Fehler. Schwerin traf dreimal — 20:17 (56.). Auf den Anschluss zum 19:20 (57.) antworten die Gastgeber prompt mit dem 21:19. Auf der Gegenseite scheiterte Kokoszka. Schwerins Coach Maik Handschke nahm eine Auszeit. Danach spielte sein Team die Zeit locker runter.

Die Stralsunder haben ab heute neun Tage frei. „In der Pause müssen wir die Köpfe freibekommen, analysieren und dann in der Rückrunde punkten“, richtete Routinier Markus Dau den Blick nach vorn.

Erster Gegner des SHV im neuen Jahr ist am 23. Januar der TSV Burgdorf II (6., 19:13).

Statistik
Schwerin: Panzer, Stemmler — Kalski 1, Prothmann 2, Przybylski 6, Calvert 3/3, Marangko 2, Höft 3/2, Finkenstein 2, Koop 3, Wirt, Grämke.

Stralsunder HV: Ligarzewski, Groth — Mallios 7, Brandt 3, Kokoszka 6/3, Hoffmann 1/1, Dau 2, Baresel, Vanek, Werner, Bechly.

Siebenmeter: SVM 5/5, SHV 6/4.

Strafminuten: SVM 12, SHV 12
inkl. Rot Vanek nach seiner dritten Zeistrafte (41.). Zuschauer: 3387.

Tommy Bastian (Ostsee-Zeitung)